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Digitale Paradiese Michael Reisch (*1964 in Aachen) gehört der vielleicht vorerst letzten Generation an, die – geprägt durch jene in ihrer Kindheit entstandenen Trabantenstadt-Albträume und ein erstes Erwachen ökologischen Bewusstseins in den 70er Jahren – sich eine Idee davon bewahrt hat, dass Politik mehr bedeuten sollte als Arbeitsplatzversprechen und Terrorbekämpfung. Seine Bilder sind auf den ersten Blick politisch ganz unverdächtig, und doch transportieren sie weit mehr, als die zweifellos betörenden ästhetischen Reize ihrer Oberfläche. Denn diese Landschaften sind fast zu schön, um wahr zu sein. Die weiten Täler, in elegischen Panoramen hingestreckt, sind unberührt, durch keine Telegraphenmasten verschandelt, durch keine Mehrzweckwellblechferigbauhallen entstellt. Es sind Landschaften, in die man sofort eintauchen möchte, die Sehnsucht wecken, die man unwillkürlich erstürmen, besetzen und besitzen will. Doch Michael Reisch hat sie vor einem Zugriff und einer zwangsläufig drohenden Zerstörung gesichert, denn sie existieren nur in seinen Fotografien, wurden kreiert in seiner Vorstellung und sind Wirklichkeit nur in der digitalen Welt. Wir können das bedauern, oder, wie wir es bei für uns Unerreichbarem gerne tun, unser Begehren in höhere Dimensionen schrauben, aber wir können diese unversehrten Idyllen auch als Anstoß nehmen, um darüber nachzudenken, inwieweit sich das Streben nach Glück mit verantwortlichem Handeln vereinbaren lässt. Die besondere Qualität dieser Fotografien ist zweifellos, dass sie einmal nicht durch Umweltzerstörung und andere Schrecken schockieren, sondern uns durch die völlige Abwesenheit aller Katastrophen irritieren. Ihre Schönheit ist die Absenz des Menschen, den sie aussperren, den sie wie aus dem Paradies hinaustreiben vor das Bild. Wir können als Betrachter einen Blick zurückwerfen und uns fragen, warum solche Landschaften nur noch in unseren Träumen und in den Computern fortbestehen können. Dr. Boris von Brauchitsch