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THOMAS FLORSCHUETZ

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ÜBER DEN KÜNSTLER

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EINFÜHRUNG

Dem Fragment am Rande der Abstraktion hat Thomas Florschuetz, Jahrgang 1957, von Beginn seiner Arbeit an besonderes Augenmerk gewidmet. Bekannt wurde er Ende der 80er Jahre mit seinen unverwechselbaren, spektakulären Tableaux aus Körperteilen. Inzwischen ist seine Bildsprache sanfter geworden, hat sich jedoch ihre grundsätzliche Haltung bewahrt: Noch immer geht Florschuetz ganz nah ran und nimmt, etwa bei seinen Blütenbildern, den Blickwinkel des Insekts ein, das sich im nächsten Augenblick auf einem der betörend pastellfarbigen Blätter niederlassen möchte. Auch hier bedient sich der Künstler der Möglichkeit, mit fotografischen Mitteln eine quasi-filmische Abfolge zu schaffen, in der sich der Standpunkt der Kamera nur minimal verändert. Visuell hat dies unmittelbar eine Steigerung der Intensität zur Folge und ist zugleich eine Aufforderung zum genauen Hinsehen. Wie tief und vielschichtig die Fotografie, dieses zweidimensionale Medium mit spiegelglatter Oberfläche, sein kann, beweist Florschuetz in seinen Fensterbildern. Hier ist es nicht das Nebeneinander, das Tableau aus mehreren Aufnahmen, sondern eine Überlagerung von Stoff, Glas, Holz und Stein, die, in Licht getaucht, ihre Materialwirkung zu einem visuellen Vielklang entfaltet. Körper, Flächen und Schatten entwickeln vor unseren Augen ein strenges Spiel, das seinerseits die Grenzen der Abstraktion auslotet. Thomas Florschuetz thematisiert nicht den Körper, die Blume, die Architektur, sondern die Wahrnehmung. Feinsinnig und sehr direkt.   Boris von Brauchitsch     Die Vorhänge der Villa Aurora zeigen beispielhaft die Gegensätze, die der Künstler Thomas Florschuetz herausarbeitet, wenn er sich mit der Licht(un)durchlässigkeit einer Projektionsfläche beschäftigt. Das Spiel von Licht und Schatten, das die senkrechten Falten der Vorhänge weich oder hart erscheinen lässt, durch das Licht draußen erzeugt, das nur teilweise sichtbar ist, führt zu einer weiteren Form der Abstraktion. Umgekehrt vermitteln die Fotografien der Vorhänge und Flächen im Capodimonte-Museum die Gleichzeitigkeit von Innen und Außen, sie enthalten ein Entweder-Oder, denn sie sind durchscheinende Zwischenspiele, weder ganz durchsichtig noch vollkommen undurchsichtig. Die Beziehung Eingrenzung-Fläche-Eingrenzung wird in diesen Arbeiten weiter vertieft, da durch die Vorhänge hindurch die gitterartige Umgrenzung des Fensters sichtbar wird. Diese Fotografien könnte man die Zusammenfassung und Bestätigung der Auseinandersetzung nennen, die Florschuetz den Themen der Transparenz und der Intensität des Blickes gewidmet hat. In der Serie mit Fotografien von Orchideen unter dem Titel Blumenstücke finden wir fragmenthafte Ansichten von Cattelyas und Orchideenstängeln. Sie mögen in seinen Fotografien in Detailansicht schön wirken, dennoch befassen sich die Fotografien in Wahrheit mit der fragilen Architektur der Blüten, mit Raum, Maß und Fläche. Der immer leicht variierte Blickwinkel führt über das Werk hinaus und weist gleichzeitig mit besonderer Deutlichkeit darauf hin, dass ein Augenblick eingefangen wurde, der an das frühere Sein der Pflanze erinnert. Die Unterschiede sind oft so unmerklich, dass man sehr genau hinsehen muss, um die Veränderung des Blickwinkels wahrzunehmen ­ eine deutliche Betonung der Notwenigkeit, etwas anzusehen, damit das Allgemeingültige des Gesehenen auf das Besondere zurückgeführt werden kann. Die zarten Pastelltöne der Blumen, die der Künstler ausgewählt hat, betonen einmal mehr diese Notwendigkeit.   Text aus dem Katalog "Are you talking to me? Sprichst du mit mir?", 2005